Aktualisiert: 15. Okt. 2021

Eine geheimnisvolle naturmystische Legende um die Geburt Taliesins, ein historischer walisisch-keltischer Barde (534-599).


Taliesin war der früheste namentlich bekannte britannisch-keltische Barde. Gleichzeitig gehört er vielleicht zu den letzten, die noch die keltische Erzähltradition mitbekommen haben. Im Llyfr Taliesin, Buch Taliesins, sind Gedichte versammelt, die ihm zugeschrieben werden. Manche dürften aber aus späterer Zeit und damit nicht von Taliesin sein. Die Tradition des keltischen Bardentums, umgekehrt, die mündlich weiter gegeben wurde, ist weitaus älter als Taliesin.



Ein Barde war nicht einfach nur sowas wie ein keltischer Alleinunterhalter. Ein Barde hatte eine ähnlich lange und intensive Ausbildung wie ein Druide, allerdings "nur" zwölf Jahre statt zwanzig. In dieser Zeit musste er alles auswendig lernen, da auf schriftliche Aufzeichnung verzichtet wurde, um das "Wissen" verborgen zu halten. So wird uns berichtet. Dichtung, Weisheit und Weissagung war für die Kelten eins. Geschichten erzählen ist eine Form von Weisheit.

Es gab ein siebenstufiges System für den Grad eines Barden. Der höchste Grad, in der irischen Tradition ein "Ollam", war dem König praktisch gleichgestellt. Er musste 350 Geschichten auswendig erzählen können. Er konnte also fast ein ganzes Jahr lang jeden Tag eine andere Geschichte erzählen, ohne sich zu wiederholen.

Mich hat sehr berührt von einer persischen Erzählerin zu hören, deren breites Wissen einer Vielzahl von Geschichten ein britischer Märchensammler für die Nachwelt aufgezeichnet hat, die von sich genau dies behauptete...




Das Motiv der Jagd durch verschiedene Erscheinungsformen, verbunden mit dem verschluckt und wiedergeboren werden, ist sehr alt und weit verbreitet. Wir finden es zum Beispiel sogar auf einem 3200 Jahre alten ägyptischen Papyrus - im altägyptischen "Brüdermärchen", von dem wir hier noch hören werden. Hier wird das Motiv zum Transformationsprozess des Dichters, der schon mit der Jagd durch die Erscheinungsformen der Existenz beginnt. Der Dichter muss sich in alles Seiende einfühlen können, und sich in jedes Seiende verwandeln können und er erschafft das Seiende und sich selbst dadurch neu.


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Aktualisiert: 15. Okt. 2021

Dass es eine Seele gibt, die sich vom Körper lösen kann, wäre eigentlich keine spezifisch ketzerische Ansicht. Und trotzdem vermittelt uns dieses Märchen mit seinen Sprachbildern so etwas fremdes, fast archaisch, heidnisches. Ganz so selbstverständlich wollte man sich den Wechsel in die andere Welt im Christentum nicht denken.


Dieses Märchen der Katharer ist sogar in den Gerichtsakten der Inquisition festgehalten, die in Südfrankreich, wo die Sekte besonders stark verbreitet war, die Ketzer hartnäckig, durch "hochnotpeinliche" Befragung, und akribische Aufzeichnung, verfolgte. Alle Elemente und Bilder scheinen aus einer vollkommen anderen Geisteshaltung, als der christlichen, zu kommen. Auch wenn der Inhalt selbst eigentlich wenig ketzerisch oder anstössig ist. Die Überquerung eines Gewässers, um in die andere Welt zu kommen, findet sich in keltischen Märchen genauso wie in aussereuropäischen Berichten von schamanischen Initiationsvisionen, aber auch in christlichen Visionen vom Jenseits. Oft ist es hier die dünne scharfe Klinge eines Schwertes, über die der Betreffende gehen muss. Ein wunderschöner Palast ist so häufig anzutreffen in der anderen Welt, und ein so weltweit verbreitetes Motiv in den Märchen, dass man die Beispiele kaum zählen kann. Die Eidechse als personifizierte oder animalisierte Seele, ist allerdings ein etwas ungewöhnliches geheimnisvolles Bild in diesem Märchen, und würde fast eher in ein Indianermärchen, als in ein französisches Ketzermärchen passen.



Die Katharer waren eine weitverbreitete Sekte im europäischen Hochmittelalter. Sie hatten Kontakt mit den schon früher auftretenden Bogomilen im bulgarischen und im serbischen Königreich. Wie weit sie von diesen beeinflusst waren, oder ihren Glauben auch aus anderen Quellen speisten, kann man nicht mit Sicherheit sagen.

Ihre Vorstellung eines guten und eines bösen Gottes, welche miteinander ringen, wobei der böse Gott die Welt, die Materie geschaffen hat, als Gefängnis für die Seelen, findet man schon im alten Persien des Zarathustra-Glauben, sowie später bei dessen Reformator Mani und bei gnostischen Sekten der Spätantike, die eine starke Konkurrenz zum frühen Christentum darstellten. Der Glaube, dass durch wiederholte Wiedergeburten die Seele aus diesem Gefängnis irgendwann ausbrechen kann, ist meines Wissens allerdings speziell und nicht bekannt oder verbreitet bei den obengenannten Strömungen.




Wie dem auch sei... Die wissenschaftliche Seite des Themas sei anderen überlassen. Das sich fremd fühlen in dieser Welt, ist eine Grundverfassung des Menschen, die nicht jedem immer bewusst ist, aber in der Bewusstwerdung oft zur Mystik führt. Die jüdische Merkaba-Mystik und die Kabbala, die islamische Sufi-Mystik und andere islamische Richtungen, wie die Aleviten, die christliche Gnosis, der Neuplatonismus, die Orphiker und viele andere sind Strömungen, die mit dieser Weltfremdheit umzugehen versuchen. Auch die Auseinandersetzung mit Märchen kann dazu geeignet sein, sich mit diesem Urzustand des Menschen, dieser wahren "Erbsünde" zu stellen ;)





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Aktualisiert: 15. Okt. 2021

Dieses bretonische Märchen überrascht durch seinen rebellischen Inhalt. Vor allem, wenn man sich daneben andere bretonische Märchen anschaut. Während die keltische Erzähltradition recht ungeniert und pur von den irischen, schottischen und walisischen Mönchen für die Nachwelt festgehalten wurde, versuchen die bretonischen Märchen oft durch eine starke Christianisierung die vorchristlichen Inhalte zu kaschieren und zu legitimieren.

Nicht so hier.


Nicht nur, dass eine Christianisierung hier vollkommen fehlt, der heilige Petrus und sogar der "liebe Gott" selbst, müssen sich einiges von dem armen Mann anhören, gar eine regelrechte Standpauke über sich ergehen lassen, auf die sie keine Antwort wissen. Interessanterweise stiftet der "Gerechte" den armen Mann, um ihn für sein Gutsein zu belohnen, zu einem Betrug an. Die Belohnung für eine moralisch gute Lebensführung, ist eine moralisch schlechte, aber gewinnbringende Lebensführung. Erzähler und Hörer des Märchens haben hier anscheinend keinen Widerspruch gesehen.

Besonders tief und existenziell berührt einen das mystische Bild der Kerzen des Lebens. Fritz Lang (Regisseur von "M - eine Stadt sucht einen Mörder", "Metropolis", "Nibelungen", "Dr. Mabuse", "Auch Henker sterben", und und und) hat in seinem frühen, weniger bekannten Stummfilm "Der müde Tod" dieses Motiv aufgegriffen, und ganz fantastisch visuell umgesetzt.







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